Candy B. Graveller – Tourbericht

Rahmenbedingungen:

Am 28. April 2017 startete der Candy B Graveller, eine Abenteuerfahrt für einen guten Zweck mit historischem Hintergrund.

Die Strecke orientierte sich am Luftkorridor der ehemaligen Luftbrücke von Frankfurt am Main nach Berlin. Die Teilnehmerzahl war auf 69 Fahrer begrenzt und ich habe glücklicherweise noch einen Nachrückerplatz am Sonntag zuvor bekommen.

Jeder Teilnehmer hatte die Aufgabe ein Care Paket nach Berlin zu bringen, also ganz im Rosinenbomber-Stil. Dazu gab es eine Liste von der Arche mit materiellen Wünschen von Berliner Kindern. Jeder Fahrer musste sich für einen Gegenstand eintragen und diesen vorher käuflich erwerben.

Als Nachrücker hatte ich natürlich nicht mehr die riesige Auswahl und die leichtesten Dinge wie In-Ear-Kopfhörer oder Nike Turnbeutel waren schon weg, so blieb mir dann letztendlich ein Tuschkasten. Ich dachte der wäre noch relativ leicht – war er natürlich nicht… unglaubliche 270g wiegt so ein kleiner Tuschkasten, also quasi soviel wie meine Daunenjacke. Für mich als Ausrüstungs-Nerd und Grammjäger natürlich ein herber Rückschlag in der Packliste.., aber es ist ja immerhin für einen guten Zweck 🙂

Desweiteren musste jeder Fahrer vor dem Antritt eine Spende in Höhe seiner Wahl an einen der vorgeschlagenen Hilfsvereine leisten.

Ablauf

18Uhr fiehl der Startschuss am Luftbrückendenkmal in Frankfurt am Main.

Die meisten hatten sich für den Abend noch einige Kilometer vorgenommen. Ich hingegen war nach einer stressigen Woche inklusive Umzug und dem Organisieren meiner kurzfristigen Teilnahme am Candy ziemlich übermüdet und gerädert. Daher hatte ich mir für vorgenommen den erstbesten Campingplatz anzusteuern, den Abend bei einem Radler und einer Tüte Mountain House Mills ausklingen zu lassen und ersteinmal richtig auszuschlafen damit ich am Folgetag einen guten Start haben konnte.

Die Strecke hatte mich überrascht, mit soviel Offroad hatte ich nicht gerechnet.  Da ich durch die erholsame Nacht recht fit war, kam ich dennoch ganz gut voran. Viele waren mir natürlich schon ein ganzes Stück voraus, da sie am Vorabend gut Strecke gemacht hatten oder sogar die Nacht durchgefahren sind. Über Gespräche mit anderen Fahrern die ich unterwegs wiedertraf und den Blick auf die Tracker der anderen Fahrer ist mir erst bewusst geworden mit wieviel sportlichem Ehrgeiz manche Fahrer an diese Tour herangegangen sind. Mehrere hundert Kilometer am Tag oder sogar in der Nacht und dann noch Offroad.

Ein Experiment

Ich hatte mir für die Tour ein komplett anderes Ziel gesetzt, ehrlich gesagt wollte ich ein wenig rumexperimentieren.

Was ist die Ideale Reisegeschwindigkeit?

Wieviele Stunden will ich am Tag unterwegs sein und wieviel Zeit will ich nutzen um die Landschaft, Städte oder Menschen auf mich wirken zu lassen?

Wann fange ich an zu fahren und wann höre ich auf?

Wieviele Pausen mache ich und wie lang?

Ich habe schon einige Touren hinter mir, bisher habe ich bzw. wir nie wirklich darüber nachgedacht wie wir den Tag planen, das meiste war spontan. Manchmal war das super, manchmal hat es sich gerächt (meistens wenn man erschöpft und frierend erst in der Nacht nach einem geeigneten Schlafplatz sucht). Daher wollte ich dieses mal vor allem mit der Sonne unterwegs sein, die Abende entspannt ausklingen lassen und genießen. Kein Stress. Einfach mal Sein.

Das Ziel war also ein annehmbarer Kompromiß zwischen Effizienz und Komfort. Scheinbar war es auch erlaubt Hotels während der Fahrt zu buchen, was einige auch in Anspruch genommen haben, das ist natürlich die unkomplizierteste Variante. Für mich stand allerdings die Ausrüstung im Vordergrund, d.h. alles was mich von der Zivilisation weitestgehend unabhängig macht und mir die Flexibilität bietet zu nächtigen wo und wann es mir eben passt war dabei.

Menschen

Die Fahrer die ich einholen wollte konnte ich mit meiner Methode natürlich nicht mehr einholen bzw. erst am Ende der Tour, dennoch gab es mir den gelegentlichen Antrieb meine Geschwindigkeit zu erhöhen und statt 100km/Tag auch mal 150 oder 180 zu machen. Einmal waren es auch nur 80km, weil es einfach gut in die Planung passte und ich mich mal wieder mit guten Bekannten auf ein Schwätzchen treffen konnte. Solche Gelegenheiten möchte ich nicht ausschlagen wenn ich denn schonmal die Möglichkeit habe und irgendwie gehören Menschen egal ob bekannt oder unbekannt auch zu meiner Vorstellung von Bikepacking. Hier und da mal ein Plausch mit den „Locals“ wie man so schön sagt, verschafft einem meistens einen noch besseren Eindruck von der Region und gibt eine Perspektive darüber wie sie war, wie sie ist und vielleicht auch wie sie mal sein wird.

Anbei noch ein paar Bilder mit Kommentar, die Packliste folgt demnächst.

Candy B Graveller 004

Die Truppe versammelt sich am Luftbrückendenkmal in Frankfurt am Main.

Candy B Graveller 003

Rosinenbomber damals und Heute..

Candy B Graveller 007

Nähe Darmstadt ging der GPS-Track durch ein Waldstück mit zahlreichen Holzkunstwerken, schöne Abwechslung.

Candy B Graveller 008

Teilweise ging es so sehr durchs Unterholz, dass der Track kaum zu erahnen war..

Candy B Graveller 010

Kurze Stärkung zwischendurch für den nächsten Anstieg.

Candy B Graveller 011

Der Weinberg hatte es in sich, mit gefühlten 45° Steigung war an fahren kaum zu denken.

Candy B Graveller 012

Belohnt wurde man mit wunderschönen Aussichten.

Candy B Graveller 019

Geflegte Waldwege sind die schönsten Streckenabschnitte.

Candy B Graveller 014

Mit Biwaksack hat man Morgens was fürs Auge.

Candy B Graveller 015

Temperaturen um den Gefrierpunkt dominierten so manche Nacht.

Candy B Graveller 016

Wenn die einzige ebene Fläche eine Traktorspur ist, spann lieber dein Candy B. Signalfähnchen auf, falls jemand morgens seine Runde dreht.

Candy B Graveller 018

Abraumhalden von der Kalisalzproduktion, sollen wohl nicht sehr Umweltfreundlich sein.

Candy B Graveller 021

Ich gebe zu ich bin manchmal etwas vom Track abgekommen, trotzdem schön.

Candy B Graveller 022

Naja hier hat sich die Trackabstinenz dann gerächt, das war eigentlich ein Wanderweg.

Candy B Graveller 023

Eine gute Pause ist die halbe Miete.

Candy B Graveller 020

Die nicht so schönen Wege. Im Endeffekt waren doch sehr viele Single Trails dabei, wo man sich dann ab und zu wünscht man hätte ein Fully und einen Trinkrucksack dabei..

 

Candy B Graveller 027

Keine Ahnung wo es mich hier hinverschlagen hatte, es war regnerisch und der Acker hat sein bestes gegeben..

Glücklicherweise habe ich gleich danach im nächsten Dorf einen Mann mit Kärcher entdeckt der mir aushalf. So waren Fahrrad und ich wiederEinsatzfähig. Das zähle ich mal zu Trail Magic.

Candy B Graveller 031

Es darf auch mal Strasse sein.

Candy B Graveller 026

Tarp und Bivy haben sich bewährt, da es kaum geregnet hat, musste ich das Tarp selten aufbauen und war mit dem Biwaksack recht flexibel.

 

Candy B Graveller 034

Kurz vor Berlin endlich der Radweitwanderweg R1, auf den hatte ich gehofft, da man ihn von Köthen bis Berlin durchfahren kann. (kann…)

Candy B Graveller 036

Es blieb natürlich nicht beim R1..

Candy B Graveller 039

Kurz vor Berlin ging es dann nochmal richtig zur Sache, was habe ich geflucht.. 🙂

Candy B Graveller 040

Endlich am Golden Tulip, der Drop für das Care Paket.

Candy B Graveller 001

Das finale Ziel war natürlich das Luftbrückendenkmal in Berlin.

 

Fazit

Der Candy B. Graveller war durch und durch eine Abenteurfahrt und ein tolles Experiment. Es hat auf jedenfall eine Menge Spass gemacht bei einem Gruppenevent wie diesem mitzumachen, das birgt schon irgendwie eine besondere Atmosphäre.

Schön ist es natürlich auch mal die ganzen anderen Verrückten aus der Bikepacking-Szene kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Insgesamt waren die Motivationen der Fahrer vielleicht etwas zu verschieden. Für manche war es ein Rennen, für andere eine Geniesserfahrt. Wie ich in anderen Berichten gelesen habe entsteht dadurch bei den „langsameren“ Fahrern ein gewisser Zugzwang und man macht sich am Ende vielleicht mehr Druck als nötig.

Was sagt ihr, sollte man hier regulieren?

 

Die Packliste folgt demnächst.

2 thoughts to “Candy B. Graveller – Tourbericht”

  1. Ahoi,

    der Candy verlangt von den Fahrern nicht mehr oder weniger ab, als andere Selbstversorgerfahrten. Daher sehe ich keinen Regulierungsbedarf. Eher im Gegenteil. So kann jeder fahren, wie es ihm beliebt. Liegt der Fokus auf Strecke machen, ist das ebenso möglich wie den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und sich Zeit zu nehmen. Wer sich gehetzt oder unter Druck gesetzt fühlt, sollte ermitteln, wieso und dann reagieren. Jeder lebt und erlebt anders und das macht es doch auch spannend. Bis nächstes Jahr?

    1. Ja da Stimme ich dir grundsätzlich zu, durch die großzügigen Rahmenbedingungen werden einem viele Freiheiten geboten.

      Ich finde allerdings, dass die Option Hotel das Fahrerfeld zu sehr auseinanderzieht, da man dann alles dabei hat von vollbepackten Rädern bis hin zu Fahrern die nur mit Ersatzunterhose und Zahnbürste unterwegs sind.
      Bei einer limitierten Fahrerzahl sinkt damit auch irgendwo die Wahrscheinlichkeit auf gleichgesinnte Radler zu treffen, die aus dem Trekkingbereich stammen.

      Es ist natürlich schwierig es allen recht zu machen und ich schreibe diese Überlegungen auch aus der Perspektive eines Ultraleichtwanderers, für den Brevets Neuland sind. Ich finde es absolut spannend wie einige Fahrer bis zu 300km am Stück fahren, Nächte durchmachen und dabei noch richtig Spass haben.

      Diese Art von Sport respektiere ich absolut und das werde ich bestimmt auch mal ausprobieren.

      Schade finde ich allerdings wenn dann Fahrer wie QuasiOut im nachhinein schreiben, dass sie in Zukunft nicht mehr an solchen Events teilnehmen, weil es ihnen zu hektisch ist.

      Naja schwieriges Thema und es betrifft auch eher Selbstversorgerfahrten im Allgemeinen. Ich will hier auch niemandem auf die Füsse treten, das sind einfach meine Gedanken dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.